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Forum Sozialimpulse

Anthroposophie: Erkenntnisweg und sozialer Weg

..Anthroposophie als Vertiefung des Verständnisses des
Menschen für sich selbst, als Bewußtsein des Menschentums,
muss notwendig zugleich ein Erkenntnisweg und ein sozialer
Weg sein. Sie muss auf die Befreiung des Geistes und zugleich
dessen wachsende Herrschaft über sich selbst gerichtet sein.
Sie muss auf die Veränderung der Gesellschaft im Sinne der
Durchlässigkeit für gelebte Freiheit aus sein. Die Herrschaft
über sich selbst zu erlangen, heißt, die Kraft der Initiative in sich
zu stärken…Anthroposoph werde, wer nach der Antwort auf
bestimmte Sinnfragen so hungere und dürste, dass sein
Lebensglück von der Antwort abhängig sei, so R. Steiner. Man
könnte diese Aussage ergänzen, indem man sagt,”Dreigliederer”
werde der, dessen Lebensglück an der Beseitigung bestimmter
sozialer Missstände hänge…

Im Sinne des Diktums vom Leben in der Liebe zum Handeln
und vom Lebenlassen im Verständnis des fremden Wollens,
muss Anthroposophie immer dialogorientiert sein…Sie zielt auf
eine gesellschaftliche Struktur, in der überall die Gestaltungen
aus Dialogprozessen hervorgehen. Aus den kollegialen
Prozessen von Kultureinrichtungen, den Verständnisorganen
einer solidarischen Ökonomie und dem demokratischen
Diskurs und Entscheid in der Sphäre von Recht und Politik…
Aus: Anthroposophie und soziale Dreigliederung”, Dr. Chr.
Strawe, in Sozialimpulse Juni 2011″, www.sozialimpulse.de

Zum Weiterlesen:
Peter Selg: Die Arbeit des Einzelnen und der Geist der
Gemeinschaft” ,Dornach 2007

Bacher/Spielberger: Freiheit oder Fremdbestimmung –
Dreigliederung oder Bolschewismus,” Carl Bacher, Schorndorf 2002
U. Rösch/R. Steel: Das tun, was noch nicht da war!”,
Verlag am Goetheanum, 2006

Zum Mitmachen:
Arbeitskreise für Dreigliederung s, Göppingen Michael-Kirche
Arbeitskreis Dreigliederung in Winterbach (s. auch S. 33)
Eberhard Bartsch Tel.: 07181-89232


Arbeitskreis Dreigliedeurng – Michael-Kirche Orplid e.V.
Christengemeinschaft 73035 Göppingen
Christian Grüninger Straße 11 Tel. 07161 – 95696 -59

Einladung zum Seminar am Samstag den 22.10.2011
im Forum der Michael-Kirche Göppingen
17.00 bis 20.30 Uhr

Die europäischen Gesellschaften – an der Scheide zwischen Integration
oder Zerfall


Vortrag und Gespräch mit Markus Osterrieder, Historiker
Wie können Wege zu einer Zukunft gestaltet werden, in der verschiedene
ethnische, sprachliche und religiöse Gemeinschaften
innerhalb Europas zu einem Zusammenleben finden, das von ihnen
bejaht werden kann? Können individuelle und regionale
Kulturbestrebungen mit der Bildung von homogenen wirtschaftlichen
Großräumen vereinbart werden? Was sind die Tendenzen, die
hierbei als Hindernis im Weg stehen?
Dr. Markus Osterrieder, ein profunder Kenner dieser
Zusammenhänge, wird mit lebendiger seminaristischer
Arbeitsweise diesen Fragen nachgehen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Parkplätze gibt es bei der
Michael-Kirche, die über die B 10, Ausfahrt Göppingen West /
Berufsschulzentrum erreichbar sind.
Die Tagung wird auch einen gemeinsamen Pausen-Imbiss
beinhalten.

Kostenbeitrag 10 €
Auf Seite 55 u. 56 finden Sie weitere Vorträge zum Thema sozial
verantwortliches Handeln.

links:
www.dreigliederung.de
www.eulenspiegel-wasserburg.de

Die Dreigliederung Rudolf Steiners
Blickt man auf die wesentlichen Fragen der Gegenwart und Zukunft,
wie sie in den vorhergehenden “Kulturinitiativen„ und vielen anderen
Medien formuliert wurden, so zeigen sich Problemfelder wie:
Ethnische Konflikte, Ringen um demokratische Strukturen und
Mitwirkung bei großen Infrastrukturprojekten, Finanz- und
Wirtschaftskrisen infolge der teilweisen Abkoppelung der Finanz- von
der Realwirtschaft, ruinöser Konkurrenzkampf in der Wirtschaft nach
innen und außen anstatt der Suche nach sinnvoller Zusammenarbeit;
wirtschaftlich starke Länder nehmen wenig Rücksicht auf die ärmeren,
deren Bevölkerung hungert.
Im Jahr 2011 jährt sich nun der Geburtstag Rudolf Steiners, dem
Begründer der Geisteswissenschaft, zum 150. Male. Zu diesem Anlass
lohnt es sich, darauf zu schauen, wie seine Impulse verschiedene
Bereiche unserer Gesellschaft befruchtet haben: die Pädagogik,
Medizin, Landwirtschaft, Naturwissenschaften, Kunst, Religion und
nicht zuletzt die Gestaltung des sozialen Lebens.
Mit dem Ende des ersten Weltkriegs und dem darauf folgenden
Zusammenbruch des Kaiserreichs, stand zur Zeit Rudolf Steiners die
Neugestaltung der sozialen Verhältnisse als das zentrale Thema in
Deutschland auf der Tagesordnung. Er begegnete dieser Fragestellung
und den aufkommenden kommunistischen Forderungen mit seinen
Ideen zur Dreigliederung des sozialen Organismus und veröffentlichte
seine grundlegende Schrift zur Dreigliederung “Die Kernpunkte der
Sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und der
Zukunft”, wirkte publizistisch, in Vorträgen vor den Belegschaften der
großen Industrieunternehmen und in öffentlichen Veranstaltungen, insbesondere
im süddeutschen Raum und begründete die Bewegung für
soziale Dreigliederung.
Rudolf Steiner beschreibt den sozialen Organismus als in drei
Funktionsbereiche gegliedert, in das Geistesleben, das Rechtsleben und
das Wirtschaftsleben.
Für das Geistesleben und insbesondere das Erziehungswesen fordert
er die volle Selbstverwaltung und damit die Beendigung jeder
Abhängigkeit von Staat und Wirtschaft.
Das Rechtsleben und der Staat sollen sich auf die Gestaltung des
rechtlichen Rahmens, basierend auf der Wahrung der Menschenwürde
und den Schutz derselben, beschränken.
Für das Wirtschaftsleben forderte er eine assoziative Struktur, in der
nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten Kreise aus Produzenten,
Handeltreibenden und Konsumenten für die vertraglichen Regelungen
und den Interessenausgleich unter den Beteiligten sorgen. Diese
Bereiche erfordern nun eine jeweils andere Art der aktiven Sozialität:

  • Freiheit für das Geistes- und Kulturleben, denn wann werden
    zusammenarbeitende Menschen auf die Dauer ihre Kräfte und
    Fähigkeiten besser für andere einsetzen: Wenn sie an Weisungen
    und Richtlinien Dritter gebunden bleiben oder, wenn sie in der Lage
    sind, selber über die Art und Weise zu entscheiden, wie sie ihre
    Aufgabe anpacken wollen?
  • Gleichheit für das Rechtsleben, denn wann erweist sich eine
    Vereinbarung im Leben als tragfähiger: Wenn der eine über den
    Kopf des anderen hinweg die gegenseitigen Rechte und Pflichten
    festlegt oder, wenn beide als ebenbürtige Partner diese miteinander
    aushandeln und beschließen?
  • Solidarität/Brüderlichkeit für das Wirtschaftleben, denn wann ist
    beispielsweise die Chance größer, dass der Bedarf eines Menschen
    nach einer bestimmten Ware sinnvoll befriedigt wird: Wenn der
    Verkäufer sich zunächst Mühe gibt, herauszufinden, was dieser wirklich
    braucht, oder wenn er ihm etwas aufzudrängen sucht?

Je mehr dies gelingt, umso mehr entfalten sich die Wesenszüge der
menschlichen Natur:

  • die Fähigkeiten durch Überwindung von Bevormundung und das
    Gewähren von Freiräumen für Initiativen, das Geistesleben anregend
  • die Anerkennung der Würde und Mündigkeit des einzelnen
    Menschen, die Grundlage für das Rechtsleben
  • das solidarische Handeln wenn nach der Bedürftigkeit des anderen
    gefragt wird, ein zeit- und menschgemäßer Ansatz für das
    Wirtschaftsleben.

In vielen Veranstaltungen weltweit und auch in unserer Region kommt
die Aktualität der Gedanken Rudolf Steiners zum Ausdruck. Viele davon
finden Sie in diesem Heft und unter:

www.rudolf-steiner-haus-stuttgart.de
www.dreigliederung.de
www.anthromedia.net
www.sozialimpulse.de
www.rudolf-steiner-2011.com
www.engelberg.net

Besonders hingewiesen sei auf:

- Vortrag von Ulrich Rösch am Freitag 13.05.11
in der Waldorfschule Filstal
“Freiraum für Initiativen –
wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand”

- Seminar mit Markus Osterrieder am Samstag 22.10.11
in der Michaelkirche
Thema: Zusammenleben verschiedener Ethnien –
was ist Integration?

Gebhard Rehm
Arbeitskreis Dreigliederung an der Michael-Kirche Göppingen

Warum tun wir nichts?
Wieder nur die Rezepte von gestern?
Läßt uns der Aufschwung unsere
Fehlentwicklungen vergessen?

Warum tun wir nichts? So heißt ein Film, der 2009 die Weltklimawoche der Vereinten Nationen eröffnet hatte und der ab Juli 2010 in die Kinos kam. Wenn wir die gegenwärtige Entwicklung unserer Gesellschaft betrachten, dann wir schnell deutlich, dass wir in den entscheidenden Bereichen unseres Zusammenlebens tatsächlich (fast) nichts tun – und,wenn, dann meistens noch das Falsche. Einige Beispiele für Fehlentwicklung und falsches Denken:

  • Die Wirtschaft kennt nur Wachstum ohne Ende
  • Die Gesellschaft soll und will nur ohne Beschränkung verbrauchen
  • Die ökologische Fehlentwicklung wird zwar thematisiert, aber
  • letztendlich auf dem Altar der iwirtschaftlichen Sachzwänge„ geopfert.
  • Die Politik übt lebhaften Parteienzank ohne ein visionäres Zukunftsziel zu entwickeln und nachhaltig zum Wohl der Gesellschaft zu verfolgen.
  • Die Finanzwirtschaft (ein Unwort per se) übt globales Mißmanagement aus mit dem Ziel der gierigen Bereicherung zu Lasten der Gesellschaft
  • Die Probleme des Arbeitsmarktes werden sich wieder von selbst lösen
  • Viele Bereiche – z.B. Erziehung und Ausbildung– sind nur ungeliebte Kostenfaktoren.
  • Wir leben in einer Demokratie, die auf dem Papier die Möglichkeit bietet über die Politik (die Volksvertretung!) in allen gesellschaftsrelevanten Bereichen per Gesetze einen richtig und notwendig erkannten Entwicklungsweg zu erzwingen. Es besteht zwar ohne Zweifel Konsens über das Ausmaß der Fehlentwicklungen, nicht aber über den Weg ihrer Beseitigung. Wer an die iunsichtbare Hand„ oder die Selbstheilungskräfte des Marktes glaubt, wird jeden staatlichen (demokratischen) Eingriff ablehnen. Das Dilemma liegt also in der aktuellen Realität, das wir zwar die Institution idemokratischer Staat„, mühsam genug, in der menschlichen Gesellschaft entwickelt haben, aber es fehlt ihr an Macht gegenüber den antidemokratischen Kräften.

    In einer Demokratie sind die Politiker die igewählten „ Vertreter des Volkes. Wen haben wir aber denn da in die Parlamente gewählt, die zwar regieren, aber ziemlich machtlos sind? Wir wählen offensichtlich die falschen Volksvertreter. Auch Rudolf Steiner hat am 2. Studienabend, am 3.3.1920, eine bemerkenswerte Aussage gemacht: „…Aber wenn man streng die Dreigliederung auffasst, …ist das prinzipiell Richtige…an den Wahlen sich zu beteiligen, so viele wählen zu lassen als gewählt werden können, ins Parlament einzutreten und Obstruktion zu treiben bei allen Fragen, die sich auf Geistes- und Wirtschaftsleben beziehen. Das würde konsequent im Sinne der Dreigliederung gedacht sein….„(GA 337a)
    In einer Demokratie geht alle Macht vom Volke aus. Nach neuesten Umfragen sind 75% der Deutschen für verstärkte Volksentscheide. Um dahin zu kommen, muss jeder einzelne sich verstärkt um Informationen bemühen, muss recherchieren, sich zu Wort melden, Leserbriefe schreiben und die Politiker zu persönlichen Aussagen zwingen, ihre Versprechungen konsequent einfordern, Öffentlichkeit in jeder Form herstellen, mit einem Wort: aktiv werden. Diese Aktivität setzt sich fort und verstärkt sich noch durch ein Zusammenhandeln mit Gleichgesinnten. Es gibt viele Organisationen und Vereinigungen in den Bereichen der politischen Gestaltung unseres Lebens. Diese sind es die heute iObstruktion„ (Widerstand) leisten, weil die Politiker ihre Macht an die Wirtschaftslobbyisten abgetreten haben.
    Es gibt in der Geschichte ein Ereignis, in dessen Folge erstmals die Begriffe iFreiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit„ in die Welt gestellt wurden: die französische Revolution von 1789. Heute sollte es möglich sein, eine igeistige Revolution„ ohne Blutvergießen in Gang zu setzen. Aber eines ist gewiß: ohne eine iRevolution„ kommen wir zu keiner menschlicheren und nachhaltigen Wirtschaftsund Gesellschaftspolitik.

    Helmut Hagenauer, Trossingen

    Literaturempfehlung:
    Jean Ziegler, Das Imperium der Schande, Goldmann-Verlag (TB)
    Hans Chr. Binswanger ,Vorwärts zur Mäßigung, Murmann-Verlag (TB)
    R.Steiner, Soziale Ideen-Soziale Wirklichkeit -Soziale Praxis,GA 337a